
Der 11. September 2001. Nicht nur der Tag, an dem die Anschläge stattfanden, die dieses Jahrzehnt so geprägt haben, wie kein anderes Ereignis, sondern auch das offizielle Veröffentlichungsdatum des vielleicht besten Rap-Albums des Jahrzehnts (You can hate me now ☺ ). Auf „The Blueprint“ präsentierte Sean Carter, gemeinsam mit den damals aufstrebenden Beat-Schmieden Kanye West und Just Blaze, einen Soundentwurf, der mit seinen soul-basierten Songs zwar klassisch, aber trotzdem frisch klang und läutete damit die Mainstream-Renaissance des soul-sample-basierten Hiphops ein.
8 Jahre und einige Alben später schickt sich der, nicht mehr ganz so junge, Mr. Carter an, die Blueprint-Trilogie mit einem neuen Klassiker zu beenden. Nach den ersten Leaks waren die Hater sich zwar schon darin einig, dass aus diesem Album nichts werden wird und Hova so langsam seinen Ausnahmestatus zu verlieren scheint, aber abgerechnet wird bekanntermaßen zum Schluß.
Ich gebe zu, dass ich anfangs ebenfalls relativ skeptisch war, aber bereits nach dem ersten Track „What we talkin about“ mit Luke Steele von Empire of the Sun bin ich wieder der Jigga-Stan, der ich zuvor war. Auch die nächsten beiden Titel „Thank You“ und das viel diskutierte „Death of Autotune“ sind sehr starke Titel, nach denen eigentlich niemand mehr daran zweifeln sollte, dass die einzigen ernstzunehmenden Kandidaten für den Rap-Thron Sean Carter und ein gewisser Marshall Mathers sind. Nachfolgend gibt’s dann die recht kontrovers diskutierte 2. Single „Run this Town“ mit Kanye & Rihanna auf die Ohren, die mir mittlerweile aber auch ganz gut ins Ohr geht und eindeutig eine Klasse über dem heutzutage üblichen Radio-Mist liegt.
Die beiden Highlights dieser LP sind für meine Begriffe jedoch eindeutig „Already Home“ mit KiD CuDi und die 3. Single „Empire State of Mind“ mit der wunderbaren Alicia Keys. Auf einem sehr guten Piaono-Beat von Al Shux berappen/besingen Mr. Carter und Mrs Keys die vielleicht großartigste Stadt der Welt (ich finde allerdings Berlin und Tokio schöner
) New York („Concrete Jungle where Dreams are made“). Großes Tennis!
Allerdings muss auch der größte Jay-Z-Fan zugeben, dass nicht jeder Song auf diesem Album ein wirkliches Highlight darstellt. Die Titel „Real as it gets“ und „On to the Next One“ mit Young Jeezy beziehungsweise Swizz Beatz sind beide leider „nur“ guter Durchschnitt. Außerdem darf natürlich darüber diskutiert werden, ob das ziemlich poppige „A Star is Born“ (mit Newcomer J.Cole) und das Alphaville-Cover (ja, Alphaville) „Young Forever“ tatsächlich auf ein Hova-Album passen, wobei ich ich irgendwie zugeben muss, dass zumindest der 80er-Jahre Kitsch mit Mr. Hudson von GOOD Music mit Mr. Hudson von GOOD Music sich in der Realität gar nicht so übel anhört.
Die große Enttäuschung des Albums sind allerdings die Beats von Timbaland. Wer dachte, dass Timbo nach seinen Pop-Eskapaden mit der Hilfe von Jay Hova zurück zu alter Stärke finden würde, der liegt eindeutig falsch. Von drei Instrumentalen ist eines wirklich gut, der Geschlechterkampf-Track „Venus vs. Mars“, die anderen leider einfach nur langweilig. Enttäuschend ist meiner Meinung nach auch das Drake-Feature auf „Off That“.
Damit keine Missverständnisse aufkommen: Trotz der mauen Beats macht Sean Carter auch auf diesen Titeln klar, dass er immer noch der Mann mit den besten Flows und Reimen auf diesem Planeten ist, da kann kein Kanye West und erst recht kein Lil Wayne mithalten!
Insgesamt kann man also festhalten: Mission erfolgreich. 3 Alben nach seinem Comeback hat Jay-Z mal wieder ein Album abgeliefert, mit dem so ziemlich jeder was anfangen dürfte. Die Hipster freuen sich über die Beats von Kanye und die Features von CuDI, Drizzy und J.Cole, Popfans über Rihanna und Alicia Keys und die eher altmodischen Rapfans darüber, dass Jay-Z immer noch einer der besten Rapper aller Zeiten ist.
Peace,
Sascha



