Review: K.I.Z. - Sexismus gegen Rechts

Endlich ist es soweit. Nach einer, für heutige Verhältnisse ziemlich langen, künstlerischen Pause melden sich die Berliner Kannibalen mit „Sexismus gegen Rechts zurück. Können Sie die, nach „Hahnenkampf“, in gigantische Höhen geschossenen Erwartungen ihrer Fans erfüllen?
Der Anfang von Rohmilchkäse wartet mit einer unterhaltsamen Songskizze auf, in der Maxim die kulturelle Überlegenheit Frankreichs gegenüber Deutschland demonstriert („du Banause bestellst dir einen Rotwein zum Fisch“, „Wer fickt die Topmodels, mein Präsident“), bevor Nico reichlich schräg einen Teil der deutschen Nationalhymne zum Besten gibt. Anschließend lassen die Kannibalen die Sau raus, inkl. Gegrunze und bretthartem WassBass-Beat. „Lass die Sau raus“ gehört zwar in der Gesamtschau meiner Meinung nach nicht zu den stärksten Songs auf „Sexismus gegen Rechts“, den Großteil des musikalischen Outputs übertrifft aber auch dieser Song.
..weiter gehts nach dem Sprung!
Nach dieser kurzen Schwächephase folgt dann die, laut Eigenaussage, eiskalt einkalkulierte Hitsingle „Halbstark“. Über einen poppigen Beat, inkl. Einer Hook, die auch am Ballermann für Heiterkeit sorgen dürfte,leben Maxim, Tarek & Nico hier jugendliche Phantasien aus („Ich sitze im Kettenkarussell und fange ein Drive By an, auf dem Rummel flüchten Monster aus der Geisterbahn“).
„Rauher Wind“ hingegen behandelt das zur Zeit allseits beliebte Bänker-Thema auf gewohnt lustige & respektlose Art. Kostproben gefällig? Nico beschwert sich über fehlende Empathie für Investmentbänker („Kinder fallen im Irak, meine Aktien etwa nicht?“) und Tarek beklagt das Leiden seines Goldesels („er krepiert an Verstopfung“), bevor die K.I.Z.-Bänker in der Hook nach dem Verkauf des letzten Wertpapiers aus dem Fenster springen. Einfach nur großartig. Die bereits bekannte Pre-Single „Einritt“ hingegen, erinnert mich irgendwie an „Pogen“ von Hahnenkampf, was ja nun auch nicht wirklich verkehrt ist.
Anschließend wird’s mit „Ohrfeige“ wieder etwas poppiger. Wieder mit einer extrem eingängigen Hook ausgestattet, nehmen K.I.Z. hier offensichtlich das immer noch weit verbreitete Macho-Frauenbild (Frau als Hausfrau & Trägerin der Ehre des Mannes) aufs Korn und meistern auch dieses Thema höchst unterhaltsam, lyrisch anspruchsvoll und politisch unkorrekt („dein Vater muss Organhändler sein, du hast die Augen von Aliyah“).
Danach wird auf „Straight outta Kärnten“ der verstorbene rechte Politiker „Jörg Haider“ mit einem Track bedacht, durch den „Jörgi, Jörgi, Jörg“ sich sicher mehr als nur im Grab umdrehen dürfte. Man kann für die Jungs hoffen, dass Haider’s Anhänger diesen Song nicht zu hören bekommen, da diese mit der Ironie des Songs wahrscheinlich wenig anfangen können. Als vernünftig denkender Mensch muss man aber einfach anerkennen, wie K.I.Z. dieses Thema behandeln. Auf dem anschließenden Song nehmen die „Klosterschüler im Zölibat“ sich das nächste kontroverse Thema „Selbsjustiz“. Wie die Jungs hier versuchen, Ordnung in eine Welt „voll von Verrückten“ zu bringen ist einfach nur großes Kino. Der Song strotzt einfach nur so vor witzigen und gut durchdachten Lines (Beispiele: „die Prostituierten kreischen, ihr geht nicht auf den Strich, Harz IV muss reichen, das ist Kapitalismus mit menschlichem Antlitz…“, „Ackermann du Arschloch ich zeige dich an, ich wähle 110 aber keiner geht ran“, „dann nehmen sie lachend unser Rettungspaket und hauen ab mit ihren Raumschiff auf den nächsten Planet“). Ich könnte diese Aufzählung nich weiter fortsetzen, aber das würde wohl den Rahmen dieser Review sprengen.
Darauf folgt dann „Scheiterhaufen“, dass ich einfach mal (um mal was nicht ganz so positives zu schreiben
) als Lückenfüller bezeichnen würde. Ist zwar definitiv kein schlechter Track, aber im Kontext dieses Albums doch eher unspannend. Danach führen K.I.Z. ihre fast schon legendäre Hurensohn-Saga fort. In dieser Fortsetzung wird erklärt, was dieses bemitleidenswerte, von den Jungs besungene, Individuum in seiner Jugend alles ertragen musste. Wird den durchschnittlichen deutschen Spießer zwar auf die Barrikaden bringen, aber ich finds (natürlich) superlustig („deine Mama war nackt, Jabba tha Hut“). Auch der nächste Track „Preisschild“ ist zwar keine politisch motivierte Kapitalismuskritik, erfüllt aber textlich den hohen Qualitätsstandart dieses Albums voll und ganz. Alleine ein solcher Song beinhaltet mehr Wortwitz als die versammelte deutsche „Straßenrapper“-Mannschaft inkl. Kollegah & Farid Bang.
Nach dem witzigen Skit „..auch Nutten wollen Pendlerpauschale“ folgt dann der Song mit dem wahrscheinlich größten „Hit-Potenzial“. „Ringelpiez mit Anscheißen“ beinhaltet einen der besten, schief gesungenen Refrains der deutschen Musikgeschichte („Oh mein Gott ist das romantisch, ich spüre deine Bandscheibe“) und MUSS einfach ein Nummer1-Hit werden! Ohne Scheiß ☺ ! Was in diesem Lied textlich passiert muss ich euch hoffentlich nicht erklären..
Danach folgt der einzige Song mit prominentem Feature. Auf „Das System“ werden Nico, Maxim & Tarek von Sido unterstützt. Musikalisch klingt das ganze für mich ziemlich nach Sommerhit, der Text ist aber für Rap-Verhältnisse fast schon revolutionär. Alle 4 Rapper propagieren tatsächlich ihre, nach Eigenaussage, winzigen Sexualorgane. Also sozusagen das Gegenstück zu „Riesenglied“ und in der vor riesigen Egos strotzenden Rap-Landschaft tatsächlich einmalig.
Danach wird von K.I.Z. äußerst punkig das „Klopapier“ besungen, bevor mit Töten noch mal ein eher durchschnittlicher Song aufwartet. Zum Ende bekommt der Hörer auch noch den Remix zu Halbstark mit Chorus 86, Orgi und einem Rap-Part von DJ Craft („Ich bin so was wie der deutsche Gandolfini“ ) und mit „So alt“ ein fast schon ernster Song. Natürlich fehlt auch hier nicht der typische K.I.Z.-Humor, aber insgesamt lässt das Trio Infernale hier ungewohnt ernst ihre Jugend Revue passieren und Nico bringt die K.I.Z.-Philosophie zwischen Hiphop & Rock’n’Roll („Ich kann mich auch heute nicht zwischen Wu-Tang & Metallica entscheiden“) perfekt auf den Punkt.
Mein finales Urteil über „Sexismus gegen Rechts“ ist dementsprechend extrem positiv. Top-Beats, gute Rapper, Wortwitz, Themenvielfalt und Punk-Attitüde, mit diesem Album machen K.I.Z. für meine Begriffe alles richtig. Das einzige Album, welches mich im abgelaufenen Jahr ähnlich beeindrucken konnte ist Tua’s Grau. Um es kurz zu machen: Kauft euch dieses Album oder ihr verpasst eines der besten Alben (genreübergreifend) des Jahres!
Wertung: 9,5/ 10
Wie gefällt euch diese Review? Stimmt ihr mit mir überein? Habt ihr eine andere Meinung? Was kann ich noch besser machen?
Peace,
Sascha



was ein schwachsinn. das album is dreck.
..danke für die konstruktive kritik
Hi Hater!
Habs sie jetzt auch endlich bekommen. Muss allerdings gestehen das sie mich beim ersten mal nicht sooooo vom Hocker gerissen hat. Klar, wirklich ein paar lustige Tracks dabei, trotzdem hatte ich nicht den Aha Effekt wie bei Hahnenkampf zum Beispiel. Aber vielleicht kommts noch. Hör sie heute Abend nochmal. Gruß Spank
[...] K.I.Z. “Seximus Gegen Rechts” (Kritik bei cooldownberlin.de) – Tolle Beats, großartiger Wortwitz. Nichts für Nebenbei. Nur für Hartgesottene. Und [...]
Ahh, der zweite Anlauf war schon viel besser. Ich hatte wohl auch nen schlechten Tag für KIZ erwischt
Diese poppigen Hooks müssen einen eigentlich mitreißen ..und dieser humor
Yep, mittlerweile pumpt das Teil durch!
sau geiles album. beim ersten mal hören trauert man dem hahnenkampf album nach aber schon beim zweiten mal hauts richtig rein!
lohnt auf jeden fall
Prima Weblog - Habe ne kleine. Meiner einer ist auch momentan dabei meinen eigenen Blog zusammen zu bauen und ich finde dein Template sch