Donnerstag März 11th, 2010 19:43 Plattenkritik: Gorillaz - Plastic Beach

(Album-Stream)

Lange Zeit mussten die Fans der Gorillaz ohne neue Musik auskommen, doch in diesem Frühjahr kehrt die erfolgreiche Band in neuem (digitalen) Gewand zurück. Auch in digital, so viel darf bereits verraten werden, liefern die Gorillaz bei Album Nummer 3 äußerst vielseitige musikalische Kost, die sowohl Musik-Nerds, als auch dem Mainstream-Publikum Spaß machen dürfte.

Um dies zu ermöglichen, hat Blur-Frontmann Damon Albarn mit noch mehr Gastmusikern zusammengearbeitet, als dies bereits auf „Demon Days“ der Fall war.

Neben Instrumental-Kollektiven, wie dem Sinfonia VIVA und dem Hypnotic Brass Ensemble, hat Albarn für „Plastic Beach“ vornehmlich mit Altstars aus diversen Genres gearbeitet. Allerdings haben sich auch etablierte Künstler wie Snoop Dogg und Lou Reed bei den Gorillaz stets dem Song unterzuordnen. Nie wird ein Titel von Gastkünstlern dominiert, der Star bleibt stets der Song.

Musikalisch lässt sich das Album schwer kategorisieren, vor allem deswegen, weil teilweise sogar innerhalb der Songs rasante Stilwechsel vollzogen werden, die sich glücklicherweise jedoch nicht negativ auf die Hörbarkeit auswirken. So startet „White Flag“ mit Musik des Nationalorchesters für Arabische Musik, bevor ein elektronischer Beat einsetzt, der den beiden Grime-MC’s Kano und Bashy die Untermalung für ihre Reime liefert. Nach Ende der Vocalparts geht das Stück dann schließlich wieder orchestral zu Ende. Das klingt für die meisten Hörer zwar vermutlich nach einer schwer vereinbaren Kombination, funktioniert in der Praxis jedoch fantastisch!

Ein weiteres Beispiel für diesen ausgelebten Eklektizismus, der bei den Gorillaz verspielt und leichtfüßig daherkommt, kombiniert Mos Def und das Hypnotic Brass Ensemble mit einem dubstep-infiziertem Beat. Großes Popkino!

Auch die, zumindest für Gorillaz-Verhältnisse, „gewöhnlicheren“ Titel auf diesem Album schaffen es, den Hörer gut zu unterhalten. Die Single Stylo (mit Bobby Womack & Mos Def) wächst mit steigendem Itunes-Zähler zu einem echten Ohrwurm heran und auch „Rhinestone Eyes“, einer der wenigen Titel, die ohne Gaststars auskommen, und „Superfast Jellyfish“ mit „De La Soul“ machen einfach Spaß!

Kritikpunkte sucht der Hörer mit der Lupe. „Plastic Beach“ kann ohne Probleme an einem Stück durchgehört werden, ohne zu langweilen. Die wenigen durchschnittlichen Songs finden sich eher am Ende der Platte, aber wirkliche Ausfälle gibt es nicht. Das Einzige, was diesem Album fehlt, sind eigentlich ein bis zwei waschechte Superhits, wie sie die ersten beiden Alben der Gorillaz aufweisen konnten. Ähnlich „catchy“ und einprägsam, wie „Dare“, „Clint Eastwood“ oder „Feel Good Inc.“ ist leider keiner der Titel auf „Plastic Beach“.

Einzig allein wegen fehlender Radiosingles auf dieses Album zu verzichten, wäre jedoch ein großer Fehler, denn mit „Plastic Beach“ haben Damon Albarn und seine Gorillaz eines der abwechslungsreichsten und musikalischsten Pop-Alben des ersten Quartals des neuen Jahres aufgenommen!

Anspieltipps: Stylo feat. Bobby Womack & Mos Def, Superfast Jellyfish feat. De La Soul & Gruff Rhys, On Melancholy Hill

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Tracklist:

1. Orchestral Intro (featuring Sinfonia ViVA)
2. Welcome To The World Of The Plastic Beach (feat. Snoop Dogg and Hypnotic Brass Ensemble)
3. White Flag (feat. Kano, Bashy and The National Orchestra For Arabic Music)
4. Rhinestone Eyes
5. Stylo (feat. Bobby Womack and Mos Def)
6. Superfast Jellyfish (feat. Gruff Rhys and De La Soul)
7. Empire Ants (feat. Little Dragon)
8. Glitter Freeze (feat. Mark E Smith)
9. Some Kind Of Nature (feat. Lou Reed)
10. On Melancholy Hill
11. Broken
12. Sweepstakes (feat. Mos Def & Hypnotic Brass Ensemble)
13. Plastic Beach (feat. Mick Jones & Paul Simonon)
14. To Binge (feat. Little Dragon)
15. Cloud Of Unknowing (feat. Bobby Womack and Sinfonia ViVA)

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Dienstag Oktober 6th, 2009 20:41 Review: Jay-Z – Blueprint 3

Der 11. September 2001. Nicht nur der Tag, an dem die Anschläge stattfanden, die dieses Jahrzehnt so geprägt haben, wie kein anderes Ereignis, sondern auch das offizielle Veröffentlichungsdatum des vielleicht besten Rap-Albums des Jahrzehnts (You can hate me now ☺ ). Auf „The Blueprint“ präsentierte Sean Carter, gemeinsam mit den damals aufstrebenden Beat-Schmieden Kanye West und Just Blaze, einen Soundentwurf, der mit seinen soul-basierten Songs zwar klassisch, aber trotzdem frisch klang und läutete damit die Mainstream-Renaissance des soul-sample-basierten Hiphops ein.
8 Jahre und einige Alben später schickt sich der, nicht mehr ganz so junge, Mr. Carter an, die Blueprint-Trilogie mit einem neuen Klassiker zu beenden. Nach den ersten Leaks waren die Hater sich zwar schon darin einig, dass aus diesem Album nichts werden wird und Hova so langsam seinen Ausnahmestatus zu verlieren scheint, aber abgerechnet wird bekanntermaßen zum Schluß.
Ich gebe zu, dass ich anfangs ebenfalls relativ skeptisch war, aber bereits nach dem ersten Track „What we talkin about“ mit Luke Steele von Empire of the Sun bin ich wieder der Jigga-Stan, der ich zuvor war. Auch die nächsten beiden Titel „Thank You“ und das viel diskutierte „Death of Autotune“ sind sehr starke Titel, nach denen eigentlich niemand mehr daran zweifeln sollte, dass die einzigen ernstzunehmenden Kandidaten für den Rap-Thron Sean Carter und ein gewisser Marshall Mathers sind. Nachfolgend gibt’s dann die recht kontrovers diskutierte 2. Single „Run this Town“ mit Kanye & Rihanna auf die Ohren, die mir mittlerweile aber auch ganz gut ins Ohr geht und eindeutig eine Klasse über dem heutzutage üblichen Radio-Mist liegt.
Die beiden Highlights dieser LP sind für meine Begriffe jedoch eindeutig „Already Home“ mit KiD CuDi und die 3. Single „Empire State of Mind“ mit der wunderbaren Alicia Keys. Auf einem sehr guten Piaono-Beat von Al Shux berappen/besingen Mr. Carter und Mrs Keys die vielleicht großartigste Stadt der Welt (ich finde allerdings Berlin und Tokio schöner ;) ) New York („Concrete Jungle where Dreams are made“). Großes Tennis!
Allerdings muss auch der größte Jay-Z-Fan zugeben, dass nicht jeder Song auf diesem Album ein wirkliches Highlight darstellt. Die Titel „Real as it gets“ und „On to the Next One“ mit Young Jeezy beziehungsweise Swizz Beatz sind beide leider „nur“ guter Durchschnitt. Außerdem darf natürlich darüber diskutiert werden, ob das ziemlich poppige „A Star is Born“ (mit Newcomer J.Cole) und das Alphaville-Cover (ja, Alphaville) „Young Forever“ tatsächlich auf ein Hova-Album passen, wobei ich ich irgendwie zugeben muss, dass zumindest der 80er-Jahre Kitsch mit Mr. Hudson von GOOD Music mit Mr. Hudson von GOOD Music sich in der Realität gar nicht so übel anhört.
Die große Enttäuschung des Albums sind allerdings die Beats von Timbaland. Wer dachte, dass Timbo nach seinen Pop-Eskapaden mit der Hilfe von Jay Hova zurück zu alter Stärke finden würde, der liegt eindeutig falsch. Von drei Instrumentalen ist eines wirklich gut, der Geschlechterkampf-Track „Venus vs. Mars“, die anderen leider einfach nur langweilig. Enttäuschend ist meiner Meinung nach auch das Drake-Feature auf „Off That“.
Damit keine Missverständnisse aufkommen: Trotz der mauen Beats macht Sean Carter auch auf diesen Titeln klar, dass er immer noch der Mann mit den besten Flows und Reimen auf diesem Planeten ist, da kann kein Kanye West und erst recht kein Lil Wayne mithalten!

Insgesamt kann man also festhalten: Mission erfolgreich. 3 Alben nach seinem Comeback hat Jay-Z mal wieder ein Album abgeliefert, mit dem so ziemlich jeder was anfangen dürfte. Die Hipster freuen sich über die Beats von Kanye und die Features von CuDI, Drizzy und J.Cole, Popfans über Rihanna und Alicia Keys und die eher altmodischen Rapfans darüber, dass Jay-Z immer noch einer der besten Rapper aller Zeiten ist.

Peace,
Sascha

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Sonntag Oktober 4th, 2009 09:03 Review: Dizzee Rascal – Tongue ‘n’ Cheek

Der Grime-Heroe und Jungstar Dizzee Rascal hat sich dank mehrer Nr.1-Singles im Vereinigten Königreich mittlerweile vom Underground-Hype zum veritablen Superstar gewandelt, aber hat er immer noch das Zeug dazu musikalisch zu begeistern oder hat der kommerzielle Erfolg seine Kreativität beeinträchtigt?

Gleich zum Start gibt’s auf „Tongue’n’ Cheek“ richtig auf die 12. Der HipHouse-infizierte Banger „Bonkers“ mit Armand van Helden aus New York am Beat sollte allen professionellen Feierheimern eigentlich schon bekannt sein, wenn nicht solltet ihr schleunigst mal wieder im Club eures Vertrauens vorbeischauen. So hört sich Musik an, die einem Mainstream-Publikum gefällt, aber trotzdem genügend Druck und Style besitzt, um ernsthafte Musik-Fans auf die Tanzfläche zu locken. Der nächste Track „Road Rage“ macht dort weiter wo „Bonkers“ aufgehört hat, also mit viel Bass und einem knalligen Beat. „Dance wiv me“ von und mit Calvin Harris hingegen sollte ebenfalls jedem bekannt sein und repräsentiert definitiv den poppigeren Teil des Albums. Der dance-lastige Beat macht das Ganze aber trotzdem noch lange nicht zu einem schlechten Song, im Gegenteil auch hier darf weiter getanzt werden. Anschließend wird’s zunächst „Freaky, Freaky“, bevor „Can’t tek no more“ auch die jamaikanische Community zufrieden stellen dürfte. Zweimal echt gute Songs, die lyrisch zwar nicht die Welt aus den Angeln reißen, aber zumindest gut instrumentiert sind. Außerdem ist Dizzee Rascal einfach einer der wenigen MC’s, die sich wirklich auf jedem Beat gut und ansprechend anhören. Den Sound von „Chillin wiv da Man dem“ würde ich am Ehesten als westcoast-lastig beschreiben. Der Titel ist definitiv einer der entspanntesten Songs auf dem Alben, also perfekt geeignet, um nach dem vielen tanzen und feiern mal ein wenig zu relaxen.
Allerdings schickt bereits der nächste Track „Dirtee Cash“ den Hörer zurük auf die Tanzfläche. Der Titel basiert auf einem 90er-Dance-Hit von „The Adventures of Stevie V“ und ist dementsprechend ziemlich trashig geraten. Die nächsten beiden Titel, „Money Money“ und „Leisure“, sind hingegen sehr gelungen, bevor „Tongue’n’Cheek“ mit „Holiday“ (prod. Von Calvin Harris) seinen poppigsten Moment erlebt. Das wird vielen Grime-Fans sicher nicht gefallen, aber irgendwie ist es doch nur konsequent, dass Dizzee nach seinem großen Erfolg nicht nur noch düstere Beats berappt, sondern einfach mal die schönen Seiten des Lebens feiert. Danach folgt nur noch ein, eher durchschnittlicher Titel („Bad Behaviour“), bevor der Spaß, leider, schon nach 11 Titeln vorbei ist.

Dizee hatte ja vor Kurzem in einem Interview Bekannt gegeben, dass er mit Tongue’n’ Cheek” ein reines Party-Gutelaune-Album à la „Doggystyle“ abliefern wollte. Dieses Vorhaben ist definitiv geglückt, da die komplette LP beim Hörer einfach gute Laune verbreitet. Man darf natürlich darüber streiten, ob das historisch Ausmaß von Snoop Dogg’s erstem Album erreicht wird, man könnte aber auch einfach wieder in Richtung „Tanzschuppen“ torkeln und weiterfeiern..

Bitte sagt mir eure Meinung zum Stil und Inhalt der Review!

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Sonntag Juli 19th, 2009 12:54 Review: K.I.Z. - Sexismus gegen Rechts

Endlich ist es soweit. Nach einer, für heutige Verhältnisse ziemlich langen, künstlerischen Pause melden sich die Berliner Kannibalen mit „Sexismus gegen Rechts zurück. Können Sie die, nach „Hahnenkampf“, in gigantische Höhen geschossenen Erwartungen ihrer Fans erfüllen?

Der Anfang von Rohmilchkäse wartet mit einer unterhaltsamen Songskizze auf, in der Maxim die kulturelle Überlegenheit Frankreichs gegenüber Deutschland demonstriert („du Banause bestellst dir einen Rotwein zum Fisch“, „Wer fickt die Topmodels, mein Präsident“), bevor Nico reichlich schräg einen Teil der deutschen Nationalhymne zum Besten gibt. Anschließend lassen die Kannibalen die Sau raus, inkl. Gegrunze und bretthartem WassBass-Beat. „Lass die Sau raus“ gehört zwar in der Gesamtschau meiner Meinung nach nicht zu den stärksten Songs auf „Sexismus gegen Rechts“, den Großteil des musikalischen Outputs übertrifft aber auch dieser Song.

..weiter gehts nach dem Sprung!

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Sonntag Juni 21st, 2009 14:16 Review: Nazar - Paradox

In seiner Heimat Österreich bereits ein Star, versucht Nazar mit seiner neuesten Veröffentlichung „Paradox“ nun auch endgültig auf dem deutschen Markt Fuß zu fassen.

Gleich das Intro überzeugt mit einem Beat, der einen gewissen Hang zur Dramatik versprüht, so wie mit Nazar’s druckvoller Stimme, die den Hörer schnell in seinen Bann zieht.
Weiter geht es mit „Wer bist du“ und „Ultimate Warrior“, zwei Songs die eher in die Representer-Richtung gehen. Also textlich eher Standard, allerdings sind die Songs trotzdem gut hörbar, da auch hier die Beats überzeugen können.

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Dienstag Juni 16th, 2009 12:58 Review: Hiob & Dilemma - Apokalypse Jetzt

Es ist Zeit mein Blog-Programm mal wieder ein wenig zu erweitern !
Ab sofort werde ich bei Zeit auch mal eine Review zu interessanten Alben posten! Den Anfang machen Hiob & Dilemma. Ich hoffe natürlich auf zahlreiches Feedback, damit meine Plattenkritiken in Zukunft noch besser werden!

Die Apokalypse ist jetzt !

Um es gleich mal vorweg zu nehmen: Der durchschnittliche jugendliche Rapfan, für den Sido, Bushido, T.I. & Lil Wayne die großen Helden sind, wird mit diesem Album vermutlich herzlich wenig anfangen können!

Das neue Album der beiden Weltuntergangspropheten Hiob & Morlock Dilemma ist im Gegensatz zu vielen aktuellen Alben, die nach der Formel prominente Features + R’n’B-Radiosingle + Electrobeats möglichst viele Hörer ansprechen möchten, ein Gesamtkunstwerk, welches sich nur in Gänze vollends genießen lässt.
Musikalisch deutlich an Ostküsten-BoomBap orientiert, dürften die, größtenteils in Eigenregie produzierten, Songs sich auch auf einem Album aus dem Wutang-Dunstkreis durchaus gut machen…

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