
Lange Zeit mussten die Fans der Gorillaz ohne neue Musik auskommen, doch in diesem Frühjahr kehrt die erfolgreiche Band in neuem (digitalen) Gewand zurück. Auch in digital, so viel darf bereits verraten werden, liefern die Gorillaz bei Album Nummer 3 äußerst vielseitige musikalische Kost, die sowohl Musik-Nerds, als auch dem Mainstream-Publikum Spaß machen dürfte.
Um dies zu ermöglichen, hat Blur-Frontmann Damon Albarn mit noch mehr Gastmusikern zusammengearbeitet, als dies bereits auf „Demon Days“ der Fall war.
Neben Instrumental-Kollektiven, wie dem Sinfonia VIVA und dem Hypnotic Brass Ensemble, hat Albarn für „Plastic Beach“ vornehmlich mit Altstars aus diversen Genres gearbeitet. Allerdings haben sich auch etablierte Künstler wie Snoop Dogg und Lou Reed bei den Gorillaz stets dem Song unterzuordnen. Nie wird ein Titel von Gastkünstlern dominiert, der Star bleibt stets der Song.
Musikalisch lässt sich das Album schwer kategorisieren, vor allem deswegen, weil teilweise sogar innerhalb der Songs rasante Stilwechsel vollzogen werden, die sich glücklicherweise jedoch nicht negativ auf die Hörbarkeit auswirken. So startet „White Flag“ mit Musik des Nationalorchesters für Arabische Musik, bevor ein elektronischer Beat einsetzt, der den beiden Grime-MC’s Kano und Bashy die Untermalung für ihre Reime liefert. Nach Ende der Vocalparts geht das Stück dann schließlich wieder orchestral zu Ende. Das klingt für die meisten Hörer zwar vermutlich nach einer schwer vereinbaren Kombination, funktioniert in der Praxis jedoch fantastisch!
Ein weiteres Beispiel für diesen ausgelebten Eklektizismus, der bei den Gorillaz verspielt und leichtfüßig daherkommt, kombiniert Mos Def und das Hypnotic Brass Ensemble mit einem dubstep-infiziertem Beat. Großes Popkino!
Auch die, zumindest für Gorillaz-Verhältnisse, „gewöhnlicheren“ Titel auf diesem Album schaffen es, den Hörer gut zu unterhalten. Die Single Stylo (mit Bobby Womack & Mos Def) wächst mit steigendem Itunes-Zähler zu einem echten Ohrwurm heran und auch „Rhinestone Eyes“, einer der wenigen Titel, die ohne Gaststars auskommen, und „Superfast Jellyfish“ mit „De La Soul“ machen einfach Spaß!
Kritikpunkte sucht der Hörer mit der Lupe. „Plastic Beach“ kann ohne Probleme an einem Stück durchgehört werden, ohne zu langweilen. Die wenigen durchschnittlichen Songs finden sich eher am Ende der Platte, aber wirkliche Ausfälle gibt es nicht. Das Einzige, was diesem Album fehlt, sind eigentlich ein bis zwei waschechte Superhits, wie sie die ersten beiden Alben der Gorillaz aufweisen konnten. Ähnlich „catchy“ und einprägsam, wie „Dare“, „Clint Eastwood“ oder „Feel Good Inc.“ ist leider keiner der Titel auf „Plastic Beach“.
Einzig allein wegen fehlender Radiosingles auf dieses Album zu verzichten, wäre jedoch ein großer Fehler, denn mit „Plastic Beach“ haben Damon Albarn und seine Gorillaz eines der abwechslungsreichsten und musikalischsten Pop-Alben des ersten Quartals des neuen Jahres aufgenommen!
Anspieltipps: Stylo feat. Bobby Womack & Mos Def, Superfast Jellyfish feat. De La Soul & Gruff Rhys, On Melancholy Hill
Tracklist:
1. Orchestral Intro (featuring Sinfonia ViVA)
2. Welcome To The World Of The Plastic Beach (feat. Snoop Dogg and Hypnotic Brass Ensemble)
3. White Flag (feat. Kano, Bashy and The National Orchestra For Arabic Music)
4. Rhinestone Eyes
5. Stylo (feat. Bobby Womack and Mos Def)
6. Superfast Jellyfish (feat. Gruff Rhys and De La Soul)
7. Empire Ants (feat. Little Dragon)
8. Glitter Freeze (feat. Mark E Smith)
9. Some Kind Of Nature (feat. Lou Reed)
10. On Melancholy Hill
11. Broken
12. Sweepstakes (feat. Mos Def & Hypnotic Brass Ensemble)
13. Plastic Beach (feat. Mick Jones & Paul Simonon)
14. To Binge (feat. Little Dragon)
15. Cloud Of Unknowing (feat. Bobby Womack and Sinfonia ViVA)







